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Autor Druckerfreundliche DarstellungDer kleine Ort an der Handelsstraße im Taunus
Walburga

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Wohnort: Schmitten-Treisberg


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Geschrieben: 06.08.2010 06:52

Ein Nachbarort des kleinen Dörfchens im Taunus, in dem ich lebe, wurde im Jahr 1156 erstmals erwähnt, als das Kloster Walsdorf dem Erzbischof von Mainz unterstellt wurde. Damals nannte man dieses Örtchen „Mulefo“, was so viel wie „herrenloses Gut“ bedeutet. Es war wohl nur eine Art Raststation an einer mittelalterlichen Höhenstraße.

Auf diesem herrenlosem Grund und Boden errichtete man mehr als 200 Jahre später ein Dorf und als es fertig war mit Häusern und Scheunen ... und als die Dorfleute, wie es sich gehört, einen von ihnen zum Schultheißen gewählt hatten, da stellte dieser eines Tages fest, dass noch etwas fehlte: Sie hatten eine Dorfstraße, hatten Wald und Weide, nur einen Namen für ihr Dorf hatten sie noch nicht. Und das war schlecht, denn die Finsternthaler sagten nur: „Die daowwe“ oder die Treisberger: „Die da unne“ und wieder andere meinten „Die dahinne“ oder „Die da driwwe“

Da rief der Schultheiß den Rat zusammen und trug allen Männern die Sache vor. Natürlich sahen alle ein, dass das Dorf einen Namen braucht, aber welchen denn? Schließlich liegt der Ort weder richtig auf dem Berg, noch im Tal. So wurden alle Vorschläge mit diesen Endungen von vornherein abgelehnt. Auch der mit „Rod“ (was ja von roden = Bäume fällen kommt) wollte einige Bewohner nichts im Sinne haben. Und der Bäche gab es auch schon viel in den umliegenden Ortsnamen, wobei der Ort Riedelbach sogar beide Teile vereinte.

So ging es hin und her, jeder brachte seine Vorstellungen ein, die von den anderen abgelehnt wurden. Der Schultheiß wirkte ziemlich hilflos, aber irgendwie musste er doch kraft seines Amtes eine Lösung herbeiführen und so verkündete er: „Ihr Leut’, wir müssen zum Schluss kommen, denn es ist bald Zeit zum Essen.“ Und mit einem verstohlenen Blick zur Küche fügte er leiser hinzu: „Und mein Weib und ihre Basen werden spotten, wenn wir hier nichts finden. Also besinnt euch ... Das erste Wort, das jetzt fällt, soll der Name fürs Dorf werden!“

Da brach große Stille herein, denn niemand wollte verantwortlich dafür sein, wenn später alle über den Namen lästerten. So still war es, dass jetzt man jetzt die Frau Schultheißin in der Küche singen und mit den Töpfen klappern hören konnte. Aber was noch schlimmer war ... mit der Zeit drang auch der Duft von Gebratenem und Gesottenem in die kleine Amtsstube. Die Männer hoben die Nasen und zogen ihn herzhaft ein. Alle kannten die Kochkünste der Schultheißin, aber am besten kannte sie der Schultheiß wohl selbst. Die Minuten vergingen. Schließlich hielt es der Dorfälteste nicht mehr aus und platzte heraus: „Maul off, ihr Leut!“

Und seitdem heißt dieses Dorf also Mauloff!



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