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     Die Helmzier der Reifenberger Ritter
 

Autor Druckerfreundliche DarstellungDie Helmzier der Reifenberger Ritter
Walburga

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Geschrieben: 06.08.2010 06:51

Der Esel galt im Mittelalter keineswegs für ein so verächtliches Tier. Ja man stritt um den Besitz zweier Eselsohren als Helmkleinod, wie wenn es Adlerflügel wären; man kaufte sich dergleichen ab. Erst nachdem das Rittertum längst zu Grabe gegangen, stieß man sich an den langen Ohren, und gelehrte Leute verfassten eigene Schutzschriften zur Rettung der heraldischen Esel und wiesen nach, wie fürchterlich der Streitruf des Esels klinge, wie bewundernswert seine Stärke, Ausdauer und Mäßigkeit sei, wie fest sein unbeugsamer Eigenwille, und erinnerten, dass schon Homer den Ajax und die Bibel den Erzvater Jakob im Gleichnis eines Esels gelehrt hätten.

Das alles erfuhr ich, als ich mich auf die Suche nach der Herkunft der Helmzier im Wappen der Reifenberger begab. Denn unbestreitbar sind es doch die Ohren eines Grauen, die sich dort oben befinden. Nun ja, genauer gesagt soll es ein graues und ein weißes Eselsohr sein. So hört nun die Geschichte, wie sie dort hingekommen:

Zur Zeit des faulen Königs Wenzel, der zu Prag saß und sich kaum im Reich sehen ließ, kam es zu harten Auseinandersetzungen zwischen den Städten und dem Adel. Auch die Taunusritter legten sich mit der reichen Handelsstadt Frankfurt an. Die unbezwingbaren Reifenberger waren natürlich dabei und auch aus Kronberg ging ein Fehdebrief an den Main. Um der Plage und Plünderung ein Ende zu bereiten, zogen die Frankfurter im Mai 1389 aus, um mit den Kronbergern abzurechnen. Zweitausend Mann zählte ihr Heer, neben den Reisigen bestand das Fußvolk vor allem aus Handwerkern sämtlicher Frankfurter Zünfte.

Unterwegs zerstörte man nach Kräften das feindliche Eigentum. Nicht nur die Höfe wurden niedergebrannt, die Angreifer hieben Bäume um oder schälten sie, damit sie eingingen. Sie trieben das Vieh weg und machten die kronbergischen Bauern zu ihren Gefangenen. Vor Kronberg angelangt, schlugen die Frankfurter ihr Lager auf. Die Kronberger versuchten einen Ausfall, wurden aber zurückgeschlagen. Man richtete sich auf eine längere Belagerung ein.

Bald jedoch wurde ruchbar, dass die Kronberger Hilfe vom Grafen von Hanau und aus der Pfalz erwarteten. Da wurde man besorgt und beschloss, still und heimlich den Rückzug anzutreten. Nun wird erzählt, dass die Frankfurter reichlich Wein mitgebracht hatten, um ihren Sieg am Ende gebührend zu begießen. Um den Ballast nicht mitzunehmen, tranken sie ihn jedoch lieber aus, als ihn den Kronbergern als Kriegsbeute zu überlassen.


Die Kronberger wiederum hatten die Flucht wohl bemerkt und waren dem Frankfurter Heer gefolgt. In der Gegend zwischen Eschborn und Steinbach auf dem Haderfeld kam es zum Kampf. Als die angekündigte Verstärkung aus Hanau und der Pfalz eintraf, war die schmähliche Niederlage der Frankfurter nicht mehr aufzuhalten. Und nicht unbeteiligt an diesem Sieg soll der Sage nach ein einzelner Taunus-Ritter gewesen sein. Diesem war von einem Frankfurter sein Pferd erstochen worden. Wie sollte er nun, angetan mit seiner schweren Rüstung, wieder in das Schlachtfeld kommen, um die Tat zu rächen und sich an dem Sieg zu beteiligen?

Da sah er auf dem Feld einen Eschborner Bauern mit seinem Esel. Er eilte hin, riss das Grautier an sich und schwang sich auf dessen Rücken. Der Bauer konnte seinem Tier nicht beistehen, denn er war ja dem Ritter sozusagen Untertan. Als der Esel die schwere Last des Ritters auf sich spürte, schlug er aus und rannte laut schreiend mitten in die wogende Schlacht hinein. Die Frankfurter meinten, die Kronberger hätten noch weiteren Zuzug erhalten oder der „Du-weißt-schon-wer“ (oder wie man früher sagte, der „Leibhaftige“, denn das Wort „Teufel“ traute man sich nicht auszusprechen) wäre unter sie gefahren.

So mussten sich die Frankfurter ergeben. Etwa 100 Kämpfende waren auf dem Schlachtfeld gefallen und 620 Frankfurter wurden gefangen genommen, darunter alle Bäcker, Metzger, Schumacher, Schlosser ... also das handwerkende Fußvolk. Erst als die Stadt Frankfurt bereit war, die Unsumme von 73 000 Goldgulden Lösegeld aufzubringen, wurden sie freigelassen. Man sagt, dass die Stadt an diesen Schulden 120 Jahre lang zahlte.

So wird also erzählt, dass am Ende ein Eschborner Esel die Schlacht gewonnen hätte und der dankbare Ritter seiner Helmzier von dem Tag an zwei Eselsohren hinzufügte. So müsste dieser Ritter wohl ein Reifenberger gewesen sein – oder?

Die Geschichtsschreiber sagen jedoch, dass diese Legende dadurch entstand, dass just zu dieser Zeit ein Kronberger Ritter eine Reifenbergerin heiratete und der Brauch es gebot, diesen Teil in das gemeinsame Wappen zu übernehmen. Aber die historischen Gelehrten, die sich immer streng an ihre Wahrheit halten, wollen uns Mundwerkern ohnehin keinen Glauben schenken.



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